Standesgemäß fanden sich auch dieses Jahr wieder an die 300 Schiffe verschiedenster Klassen in Lindau ein und trugen zu dem wohl atemberaubendsten Startfeld des Regattakalenders am Bodensee bei.

Mit sechs gemeldeten X-99 war die Klasse mit einem kleinen, feinen Feld vertreten, welches komplett mit Trackern des Anbieters „tractrac“ ausgestattet war. Die „Pfeil 2“ (BSC) entschied, nicht zur Wettfahrt zu starten, sodass das „X-BOOT“ (YCL), „IGS“ (LSC), „Nix wie weg“ (SVS), „Coude a l’air“ (NHSV) und wir mit der „Xpresso“ (DSMC) der HTWG Konstanz um 19.30 Uhr in die Nacht starteten.

Doch an einen Start unter voller Fahrt war zum Startschuss nicht im Ansatz zu denken. Der Westwind, welcher uns noch eine sehr schöne Anfahrt beschert hatte, beanspruchte pünktlich seinen Feierabend, was viele im Feld böses erahnen ließ. So galt es bei totaler Flaute konsequent Kurs zu halten und über die Linie zu treiben. Die Hohentwiel hatte dadurch zu befürchten, Spielball der am Startschiff startenden Yachten und des Stromes der Rheinmündung zu werden. Und tatsächlich erforderte es einiges Geschick sowie überlegte Manöver, um hintereinander an ihr vorbeizukommen. Dennoch sahen wir uns nach ca.15 Minuten gezwungen, an der Hohentwiel Hand anzulegen um die „Xpresso“ auf den verbleibenden 10 cm Abstand zu halten. Für die Zuschauer an Bord der Hohentwiel war es natürlich ein Spektakel. Wir dagegen fürchteten, dass die Regatta für uns vorbei war, bevor es überhaupt los ging. Im Ziel erfuhren wir vom Wettfahrtteam, dass zu diesem Zeitpunkt die Hohentwiel nur noch ein Hindernis im Wasser und deshalb abhalten erlaubt, wenn nicht sogar gefordert war.

Zu Beginn lag das „X-BOOT“ mit uns nahe des Startschiffes etwas voraus, die „IGS“, „Nix wie weg“ und „Coude a l’air“ starteten tiefer in Richtung Bregenz. Sehnsüchtig wartete das Feld auf einsetzende Gewitterwinde einer Zelle über Land bei Rorschach/Rorschacherberg, welche das Feld nach und nach aus Süd-West in Fahrt brachten. Nun galt es kräftig Luv zu trimmen und das Boot bei starken Böen auf Kurs zu Halten.

An der Marke in Romanshorn zeigte sich um 22:42 Uhr, dass das „X-BOOT“ den Flautenstart und die einsetzenden Wind am besten erwischte, dicht gefolgt von „IGS“ (+5:30), „Coude a l’air“ (+7:30) und der „Xpresso“ (+10:16). „Nix wie weg“ schien wohl etwas länger in der Flaute auf der Startlinie gefangen und wies mit +33:31 min bereits einigen Rückstand auf.

Auf die Tonne Eichhorn konnte das Schweizer Ufer entlang wiederum ein Am-Wind angelegt werden. Das „X-BOOT“ rundete diese kurz nach Mitternacht. Es setzte sich weiter minimal ab: die Reihenfolge der Verfolger blieb mit „IGS“ (+7:04), „Coude a l’air“ (+10:48), „Xpresso“ (+15:32) und „Nix wie weg“ (+43:50) unverändert. Auf diesem Leg zeigten sich durchwegs Durchschnittsgeschwindigkeiten (SOG) um 6 kts, das „X-BOOT“ legte mit 6.2 kts die Latte nah an die rechnerische Rumpfgeschwindigkeit und trumpfte auch mit einem Top Speed von 7.6 kts auf. Die „Nix wie weg“ mit einem SOG von 5.5 kts etwas ab.

In den Überlingersee hinein drehte die Windrichtung weiter, sodass wiederum mit Am-Wind in Richtung der Wendemarke Überlingen gesegelt werden konnte. Es bedurfte lediglich zweier Wendemanöver um die Verholertonne und Wendetonne auch sauber anlaufen zu können. Zwischendurch gab es einige Windlöcher vor Staad und der Mainau, welche jedoch keine anhaltende Wirkung hatten. Der viel diskutierte Strom vor Überlingen gen Meersburg, welcher einige Schiffe mehrere Anläufe zum Wenden der Marke kostete, verschonte uns glücklicherweise. Gegen 2.20 Uhr rundete das „X-BOOT“ wiederum als erster die Wendemarke. Trotz zwischenzeitlichen Wechsels auf der Position 3 verblieb die Rangfolge wie gehabt. Die „IGS“ blieb mit +5:18 min dicht am „X-BOOT“ dran und konnte den Rückstand sogar etwas verringern. „Coude a l’air“ fiel etwas zurück mit +18:41 min Rückstand gefolgt von uns mit der „Xpresso“ (+21.27). Die „Nix wie weg“ konnte ihren Rückstand etwas verringern (+39:02) und segelte mit einem tieferen Kurs mit mehr Strecke (ca. +1000 m) sogar das schnellste Leg zwischen Eichhorn und Überlingen. Leider ereilte sie direkt an der Tonne Überlingen eine Flaute, so dass sie sich vor Staad entschieden die Wettfahrt abzubrechen und in den Heimathafen einzulaufen.

Im Folgenden konnte mit Spi bei schwächer werdenden Wind der Speed aufrecht gehalten werden. „X-BOOT“ und „IGS“ verließen den Überlingersee um 4.20 Uhr mit etwa 1,8 km Vorsprung auf die „Coude a l’air“. Unser Rückstand wuchs von 2,4 km an der Tonne Überlingen bis zu diesem Zeitpunkt auf 4,1 km. Vor Meersburg gab es für einmal keine Flaute, diese schlug in diesem Jahr zwischen Hagnau und Immenstaad zu, wie die „Coude a l’air“ schmerzlich erfahren musste. Während die beiden Führenden schon vor Hagnau gen Seemitte weggehalst waren, taten wir dies bei besseren Sichtverhältnissen in der Dämmerung auch, um einer möglichen Flaute unter Land zu entgehen. Die „Coude a l’air“ hielt sich nah am deutschen Ufer und saß über Stunden zwischen 6 und 9 Uhr dort fest. Uns dagegen ereilte die nach Hochdruckwetterlage erwartet Flaute zwischen 8 und 10 Uhr direkt in der Seemitte auf der Fährlinie Romanshorn-FN. Das „X-BOOT“ konnte sich mit dem letzten Wind aus dieser Situation am besten retten und noch das deutsche Ufer erreichen. Die „IGS“ machte es ihr nach, wenn auch sie etwas abreißen lassen musste. Dort haben die beiden Führenden den aufkommenden Wind erwischt und konnten mit diesem gen Ziel fahren. Das „X-BOOT“ fuhr um 12:39:59 Uhr nach 17 h 09 min 59 sec als Sieger der X-99 Klasse in Lindau ein, gefolgt von der „IGS“ (+42:37min).

Wir dagegen hatten mit der „Xpresso“ keine Chance der Flaute noch zu entrinnen und konnten nur noch ausharren. „Coude a l’air“ nahm mittlerweile vor Friedrichshafen wieder kräftig Fahrt auf. Wir konnten nach und nach unter Spi wieder minimal Strecke machen, bis wir vor Wasserburg einen konstanten Westwind bekamen und unter voller Fahrt gen Lindau segeln konnten. Die „Coude a l’air“ machte das Rennen um Platz 3 nochmals unfassbar spannend und erreichte das Ziel am Molenhaus des LSC lediglich +5:16 min nach uns, nachdem sie vor Immenstaad liegend noch knapp 10 km Rückstand hatte!

Ich bedanke mich bei den Veranstaltern des LSC und allen Helfern der Regatta für ein einmaliges Erlebnis auf meiner ersten Rund Um und meiner Crew.

Wir gratuliere Hochzufrieden dem „X-BOOT“ (YCL) um Ralf Strobl zum Sieg in der Klassenwertung.

Holger Schaeben (Xpresso)
Crew: Frederike Hein, Martina Amann, Addision Potter, Viktoria Schreiner und Jakob Knauf
Text und Recherche: Jakob Knauf und Holger Schaeben
Bilder: Martina Amann

 

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